Medikamente

Bei manchen Beschwerden ist die Einnahme eines Medikaments notwendig und sinnvoll. Der Missbrauch von Medikamenten ist jedoch weit verbreitet. Mehr als 400´000 Erwachsene nehmen in der Schweiz täglich Medikamente mit Missbrauchspotenzial ein, 60´000 Personen sind nach groben Schätzungen medikamentenabhängig. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert den Begriff Medikamentenmissbrauch wie folgt:

«Medikamentenmissbrauch liegt vor, wenn ein Medikament ohne medizinische Notwendigkeit oder in unnötigen Mengen konsumiert wird.»


In diesem Sinne können fast alle Medikamente missbräuchlich verwendet werden. In der Praxis geht es aber vor allem um psychoaktive Substanzen wie Schlaf-, Schmerz- und Beruhigungsmittel, Anregungsmittel und Appetitzügler. Sehr problematisch sind benzodiazepinhaltige Schlaf-, Beruhigungs- und Schmerzmittel, sie gehören derzeit zu den am meisten verordneten und verwendeten Psychopharmaka.

Benzodiazepine sind rezeptpflichtige Medikamente, die zur kurzfristigen Behandlung von Spannungs-, Erregungs- und Angstzuständen sowie bei psychosomatischen Störungen verabreicht werden. Sie wirken angstlösend, beruhigend, erregungs- und aggressionsdämpfend sowie schlaffördernd. Benzodiazepine besitzen ein beträchtliches körperliches und psychisches Abhängigkeitspotenzial - eine Gewöhnung ist schon nach zwei bis drei Wochen möglich. Problematisch ist vor allem die Langzeiteinnahme von Benzodiazepinen: Die sogenannte Low-Dose-Abhängigkeit ist hier viel weiter verbreitet als die Abhängigkeit von hohen Dosen. Dabei birgt die Gewohnheit, Medikamente zur Regulierung der Befindlichkeit einzunehmen, hohe Risiken - wird ein regelmässig eingenommenes Medikament abgesetzt, kann es zu Entzugserscheinungen kommen. Diese Einsicht muss gefördert werden.

Die ZüFAM ist überzeugt, dass es dringend nötig ist, den Missbrauch von Medikamenten zu enttabuisieren, zu untersuchen und präventive Massnahmen einzuleiten. Die Sensibilisierung für eine verantwortungsvolle und korrekte Verschreibungspraxis und einen kritischen Umgang mit Medikamenten ist deshalb ein wichtiges Ziel heutiger Prävention und Beratung.

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