«Wir betreiben Sensibilisierungsarbeit für einen kritischen Umgang mit Medikamenten»
Wir betreiben Sensibilisierungsarbeit für einen kritischen Umgang mit Medikamenten Suchtprävention soll Suchtverhalten verhindern und wirksame Massnahmen dagegen einleiten Alkoholtrinken gilt dann als risikoarm, wenn massvoll getrunken wird Jede fünfte Person in der Schweiz trinkt regelmässig in einem schädlichen Ausmass Alkohol Alkoholkonsum verursacht jährliche Kosten von über 4 Milliarden Schweizer Franken Unter Prävention versteht man das Vermeiden von Krankheiten Sind Sie durch das Trinkverhalten einer Ihnen nahestehenden Person verunsichert? Auch ältere Menschen konsumieren Alkohol und Medikamente – oft in riskanten Mengen Sucht kennt keine Altersgrenzen Wann ist Alkoholkonsum schädlich? Wann ist Medikamentenkonsum schädlich? Auch bei Niedrig-Dosis-Abhängigkeit sind verschiedene Nebenwirkungen bekannt Viele Schlaf- und Beruhigungsmittel besitzen ein beträchtliches Abhängigkeitspotenzial Auch Beratungsstellen unterstehen der Schweigepflicht Wir entwickeln und lancieren zielgruppenspezifische Projekte Schätzungen gehen von 250ʼ000 bis 300ʼ000 alkoholabhängigen Personen in der Schweiz aus

Zahlen und Fakten zu Medikamenten

Bei manchen Beschwerden ist die Einnahme eines Medikaments notwendig und sinnvoll. Der Missbrauch von Medikamenten ist jedoch weit verbreitet. Allein im Bereich der Schlaf- und Beruhigungsmittel gehen Untersuchungen davon aus, dass rund 3 Prozent der Gesamtbevölkerung diese Mittel über einen längeren Zeitraum einnimmt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert den Begriff Medikamentenmissbrauch wie folgt:

«Medikamentenmissbrauch liegt vor, wenn ein Medikament ohne medizinische Notwendigkeit oder in unnötigen Mengen konsumiert wird.»

In diesem Sinn können fast alle Medikamente missbräuchlich verwendet werden. In der Praxis geht es aber vor allem um psychoaktive Substanzen wie Schlaf-, Schmerz- und Beruhigungsmittel, Anregungsmittel und Appetitzügler. Sehr problematisch sind benzodiazepinhaltige Schlaf- und Beruhigungsmittel bzw. sogenannte Z-Medikamente (Wirkstoffe Zolpidem und Zopiclon). Sie gehören derzeit zu den am meisten verordneten und verwendeten Psychopharmaka. Daneben bergen auch bestimmte rezeptpflichtige Schmerzmittel ein erhebliches Abhängigkeitspotenzial.  

Benzodiazepine und Z-Medikamente sind rezeptpflichtige Medikamente, die zur kurzfristigen Behandlung von Schlafproblemen, Spannungs-, Erregungs- und Angstzuständen sowie bei psychosomatischen Störungen verabreicht werden. Sie wirken angstlösend, beruhigend, erregungs- und aggressionsdämpfend sowie schlaffördernd. Benzodiazepine und Z-Medikamente besitzen ein beträchtliches körperliches und psychisches Abhängigkeitspotenzial – eine Gewöhnung ist schon nach wenigen Wochen möglich. Problematisch ist vor allem die Langzeiteinnahme: Die sogenannte Niedrig-Dosis-Abhängigkeit ist hier viel weiter verbreitet als die Abhängigkeit von hohen Dosen. Obwohl die Dosis über einen langen Zeitraum dieselbe bleibt, sind bei der Niedrig-Dosis-Abhängigkeit verschiedene Nebenwirkungen bekannt. Leider werden diese oft nicht als solche erkannt. Stattdessen können sie dazu führen, dass die Dosis langsam erhöht wird und sich schliesslich eine manifeste Abhängigkeit entwickelt.

Gerade bei älteren Personen steigert aber auch die kurzfristige Einnahme von Benzodiazepinen und Z-Medikamenten das Risiko von Stürzen und erhöht damit die Gefahr für eine ernsthafte Verletzung. Insbesondere bei der Behandlung von Schlafproblemen sollte die Verwendung von Benzodiazepinen und Z-Medikamenten mit grosser Zurückhaltung und nur über einen sehr kurzen Zeitraum erfolgen. Grundsätzlich sollten bei Benzodiazepinen und Z-Medikamenten immer die 4-K-Regeln beachtet werden (Bundesärztekammer 2007):

  • Klare medizinische Notwendigkeit (Indikation)
  • Korrekte Dosierung (kleinste Packungsgrösse und indikationsadäquate Dosierung)
  • Kurze Anwendung 
  • Kein abruptes Absetzen

Die ZüFAM ist überzeugt, dass es dringend nötig ist, den Missbrauch von Medikamenten zu enttabuisieren, Aufklärungsarbeit zu leisten und präventive Massnahmen gegen den Missbrauch zu entwickeln und umzusetzen. Die Sensibilisierung für eine verantwortungsvolle und korrekte Verschreibungspraxis und einen kritischen Umgang mit Medikamenten ist deshalb ein wichtiges Ziel heutiger Prävention und Beratung.

Laufend aktualisiertes Zahlenmaterial und Berichte finden Sie unter: suchtmonitoring.ch